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Diese und die folgenden Seiten befinden sich derzeit noch in Überarbeitung und werden mit Ausstellungsbeginn finalisiert!

Entstehungsgeschichte der ursprünglichen Ausstellung

Die Ersteller der 22 Plakate, die Bundesfachtagung der Chemiefachschaften, haben nicht nur diese Ausstellung konzipiert und umgesetzt, sondern hierzu noch einen einen "Programmreader" entworfen, welcher unterstützend zur Ausstellung dienlich sein soll. Dieser sollte die Geschichte der IG Farben sowie deren Vorgänger und Nachfolger detailliert darstellen. Aus diesem ist die Entstehungsgeschichte entnommen und im Folgenden dargestellt. Für dieses Begleitheft wurde ausgewählte Literatur ausgewertet. Die Literaturauswahl wurde aber nicht begründet und so ist bis heute unklar, warum zentrale wirtschaftshistorische Studien nicht zurate gezogen wurden.

Um die Entstehtungsgeschichte des Begleitheftes und der Plakate nachzuverfolgen, werden hier zunächst die Vorwörter der verschidenen Ausgaben dargestellt und mit kleineren Anmerkungen (in Klammern und kursiv) versehen.

Der folgende Wortlaut ist der 1. Auflage des "Programmreader" von 1994 entnommen. Aktive Formulierungen wie "wir" wurden in passive umformuliert. Weitere Ergänzungen sind in kursiv gekennzeichnet.

Vorwort zur 1. Auflage

Die Idee zu einer Arbeit über die Wurzeln der deutschen Chemieindustrie und die Geschichte des I.G. Farben-Konzerns entstand auf dem Abschlussplenum der Bundesfachtagung der Chemiefachschaften (BuFaTaChemie) im November 1990 in Bielefeld. Äußerer Anlass dafür war die nach der Vereinigung von BRD und DDR aufflammende Diskussion um Besitzansprüche westdeutscher Industrieunternehmen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Besonderes Aufsehen erregten dabei die Forderungen der Liquidationsgesellschaft "I.G. Farben in Auflösung".

Da wir der Meinung waren, daß dieses Thema eine eingehendere Beschäftigung verdiene, beschlossen wir, durch Erarbeitung einer Ausstellung und einer begleitenden Broschüre etwas Licht in dieses dunkle Kapitel deutscher Industriegeschichte zu bringen.

So entstanden in mehreren Fachschaften eigenständige Gruppen, die einzelne Epochen dieser Geschichte vertieft bearbeiteten. Die so zunächst unabhängig voneinander entstandenen Kapitel wurden in mehreren Arbeitskreistreffen zu der vorliegenden Broschüre zusammengefaßt. Mögliche Uneinheitlichkeiten in der Ausarbeitung ließen sich daher nicht vollständig vermeiden. Wir hoffen aber, daß wir insgesamt eine umfassende und dennoch übersichtliche Darstellung der Geschichte der I.G. Farbenindustrie AG gegeben haben.Wir bedanken uns bei allen, die uns Informationen und Materialien zur Verfügung gestellt haben, und wir hoffen, daß diese Ausstellung zu einem besseren Verständnis von Geschichte und Gegenwart der Chemie und der chemischen Industrie beitragen kann.

 

Der folgende Wortlaut ist der 2. Auflage des "Programmreader" von 2007 entnommen. Weitere Ergänzungen sind in kursiv gekennzeichnet.

Vorwort zur 2. Auflage

Nie wieder! zur Geschichte der I.G. Farben und ihren Auftrag an eine kritische Wissenschaft

„Schluss mit den Aktien des Todes“ ist auf Transparenten zu lesen und „I.G. Farben auflösen – sofort!“ Ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter werden vom Sicherheitspersonal unsanft aus dem Saal geschoben, damit der einstige Weltkonzern und Betreiber des KZs Monowitz (Auschwitz III) I.G. Farben in Ruhe einen neuen Aufsichtsrat wählen kann. Szenen der Nachkriegsjahre? Keineswegs: Frankfurt am 18. Dezember 2002. Die Alliierten beschlossen bereits 1945 das Chemie-Kartell zu entflechten und das Restvermögen in die I.G. Farben i.A. (Interessengemeinschaft Farben in Abwicklung) zu überführen. Doch mit deren Aktien wurde 2002 nach wie vor spekuliert, eine rasche Liquidation war ebenso ausgeblieben wie angemessene Entschädigungszahlungen an die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Damals riefen 16 Organisationen – unter ihnen die Bundesfachtagung der Chemie-Fachschaften – aus ganz Deutschland zu Protesten gegen die Aktionärsversammlung auf. Die BuFaTa Chemie hatte das Thema im Sommer 2002 einige Jahre nach dem Erscheinen des ersten I.G.-Farben-Readers wieder aufgegriffen und einen neuen Arbeitskreis I.G. Farben gegründet, der sich dem Bündnis gegen die Aktionärsversammlung der I.G. Farben i.A. anschloss und gleichzeitig begann, die online-Ausgabe des I.G.-Farben-Readers vorzubereiten. Während der Arbeit an diesem Reader meldete die I.G. Farben i.A. im Jahr 2004 Insolvenz an. Das letzte Geld war verspekuliert. Die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gingen bis heute leer aus.

Chemie im Dienst von Krieg und Tod

Vor nunmehr über einem halben Jahrhundert nutzten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Kenntnisse und Fähigkeiten, um einen internationalen Krieg und die Ermordung von hunderttausenden Menschen in Konzentrationslagern zu ermöglichen. Chemikerinnen und Chemiker verdienten an Tod bringenden Waffen, an Medikamenten für sterbende Soldaten, an der massenhaften Versklavung von Häftlingen und schließlich am Völkermord in den Konzentrationslagern. Angeblich „im Dienste der Wissenschaft“ wurden Häftlinge durch medizinische Versuche zu Tode gequält. Im I.G.-Farben-eigenen KZ in Monowitz wurden Tausende „durch Arbeit vernichtet“. Der Massenmord an der jüdischen Bevölkerung wurde durch das Giftgas Zyklon B „perfektioniert“. Die I.G. Farben war der größte Einzel-Financier der NSDAP. Schon der Vier-Jahres-Plan von 1936, der Deutschland in vier Jahren kriegsfähig machen sollte, war unter maßgeblicher Mitarbeit der I.G. Farben entstanden, durch seine Zusicherungen machte der Chemie-Gigant den zweiten Weltkrieg überhaupt erst möglich. In den Nürnberger Prozessen wurden 1947 nur 13 der 23 angeklagten I.G. Farben-Funktionäre zu geringen Haftstrafen verurteilt – Strafen, die „jedem Hühnerdieb damals zur Freude gereicht
hätten“, wie der Spiegel später kommentierte. Die Sorge galt schon damals weniger dem antifaschistischen Auftrag als der Gunst der Industriellen. So befürchtete der amerikanische Ankläger Robert H. Jackson (1892-1954) bereits im Oktober 1946, daß die „öffentliche Attacke gegen die Privatindustrie – und zu einer solchen wird es im Laufe der Prozesse kommen – den Industriekartellen den Mut nehmen könnte, weiterhin mit unserer Regierung im Rahmen der Rüstungsmaßnahmen, die im Interesse unserer zukünftigen Verteidigung getroffen werden müssen, zusammenzuarbeiten.“

Stets für den Profit

Die I.G. Farben, die 1925 aus einem Kartell von Chemiegiganten entstand (u.a. aus BASF, Bayer, Hoechst) verdiente sowohl an der Kriegsführung Deutschlands als auch – über internationale Tochtergesellschaften – an derjenigen Amerikas. Rund 80 Milliarden Euro wurden von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern im Dritten Reich erwirtschaftet, gerade mal 50.000 Ende
der 50er Jahre als Entschädigung gezahlt. Spekulationen auf den I.G. Farben-Grundbesitz in Ostdeutschland, die 1989 zu Jubelszenen in der Aktionärsversammlung führten, wurden erst nach heftigen Protesten durch die Rechtsprechung zurückgewiesen. Weiter erhob der Konzern bis zu seinem Ende Anspruch auf die Schweizer Holding Interhandel (vormals I.G. Chemie Basel), deren Vermögen auf 2,2 Milliarden Euro geschätzt wurde. An Liquidatoren und Aufsichtsräte wurden jährlich mehrere Hunderttausend Euro ausgezahlt. Das Vermögen der Liquidationsgesellschaft lag Anfang der 90er Jahre noch bei etwa 50 Milliarden Euro. Die I.G. Farben-Nachfolge-Unternehmen Bayer, BASF und Sanofi-Aventis (vormals Hoechst) sind heute jeder für sich größer und mächtiger als das gesamte Kartell, welches sie einst ins Leben riefen.

Aufgaben an eine Wissenschaft des Friedens

Wissenschaftliche Erkenntnis kann als Aufklärung die Grundlage für gesellschaftlichen Fortschritt und damit für bessere Lebensbedingungen und ein friedliches Zusammenleben aller Menschen bilden. Unter der Hegemonie von Krieg und Profitmaximierung jedoch können sich wissenschaftliche Erkenntnisse destruktiv – sogar unmittelbar menschenvernichtend – auswirken. Es gehört zur Verantwortung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Ziele und Anwendungen der eigenen Wissenschaft immer wieder kritisch zu hinterfragen. Dieser Blick über den Tellerrand ist kein Luxus, sondern absolut notwendig. In Bezug auf sein eigenes Fach formulierte Carl Friedrich von Weizsäcker (deuscher Physiker, 1912-2007): „Politik ist die verdammte Pflicht des Physikers im Atomzeitalter.“ In diesem Sinne ist der Einsatz für eine kritische Wissenschaft und ein kritisches Studium auch eine Lehre aus Faschismus und Krieg und aus der Geschichte der I.G. Farben.

Zur online-Ausgabe des I.G.-Farben-Readers

Der Gedanke, diesen Reader neu aufzulegen, kam einigen am Thema Interessierten während der Sommer-BuFaTa 2002 in Freiburg, als noch einige Exemplare der 1. Auflage im Fachschaftsraum gefunden wurden. Über die Entschädigung von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern wurde gerade eine intensive öffentliche Diskussion geführt, während die I.G. Farben i.A. vor Gericht um ein beträchtliches Vermögen der schweizerischen Bank UBS focht. Die Frage nach der Vergangenheit der deutschen chemischen Industrie kam damit auf die Tagesordnung der BuFaTa. Vielen damals anwesenden Fachschaftlerinnen und Fachschaftlern war das Thema I.G. Farben gar kein Begriff mehr. Daher entschlossen sich einige, den I.G.-Farben-Reader erneut aufzulegen und ihn um ein Kapitel zur Geschichte des Protestes gegen die I.G. Farben i.A. zu erweitern. Um den Reader noch breiter zugänglich zu machen, entschied man sich, diese online-Ausgabe zu produzieren. Es wurden für diese 2. Auflage außerdem kleinere Fehler der 1. Auflage korrigiert, die Darstellung der Quellen vereinheitlicht und zusätzlich das Kapitel zur Geschichte des Protestes gegen die I.G. Farben i.A. neu ergänzt. Insbesondere der AStA (Allgemeine Studierendenausschuss) der TFH Berlin (Technische Fachhochschule Berlin, mittlerweile Berliner Hochschule für Technik) griff dieses Thema auf und überarbeitete die mit der 1. Auflage des Readers entstandene Ausstellung zur Geschichte der I.G. Farben. Die Wanderausstellung „... von Anilin bis Zwangsarbeit“ soll einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und kann kostenlos bei der BuFaTa Chemie ausgeliehen werden.

 

Einleitendes Zitat des ursprünglichen Arbeitskreises

Der Mann mit dem weißen Kittel schrieb Zahlen auf das Papier. Er machte ganz kleine zarte
Buchstaben dazu. Dann zog er den weißen Kittel aus und pflegte eine Stunde lang die Blumen auf
der Fensterbank. Als er sah, daß eine Blume eingegangen war, wurde er sehr traurig und weinte.
Und auf dem Papier standen Zahlen. Danach konnte man mit einem halben Gramm in zwei Stunden
tausend Menschen totmachen. Die Sonne schien auf die Blumen. Und auf das Papier.

~ Wolfgang Borchert (deutscher Schriftsteller, 1921-1947)

 

Namentlich benannte Mitwirkende

1. Auflage

Andreas, Detlef, Jürgen, Marc, Peer, Rudi, Winnie (Fachschaft Chemie Uni Bonn, Fachschaft Chemie 911±¬ÁÏÍø Braunschweig, Fachschaft Chemie Uni Freiburg, Fachschaft Chemie RWTH Aachen, Fachschaft Chemie Uni Karlsruhe, Fachschaft Chemie Uni Würzburg)

2. Auflage

Jens, Denis, Sonja (Chemie-Fachschaften der ±«²Ô¾±±¹±ð°ù²õ¾±³Ùä³Ùen Münster, Freiburg und Hamburg)