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IG Farben ... Von Anilin bis Zwangsarbeit. Wege einer Wanderausstellung

Zwischen Aufarbeitung und Aktivismus

Wege einer Wanderausstellung über die Geschichte der IG Farben

Anfang der 1990er-Jahre sorgten Chemie-Studierende verschiedener deutscher Universitäten für Aufruhr, als sie sich daran machten, die Rolle des Chemie- und Pharmakonzerns IG Farben im Nationalsozialismus aufzuarbeiten und die Verbrechen gegen die Menschlichkeit öffentlich zu präsentieren. Die Studierenden schufen eine Wanderausstellung, die jetzt vom JCF (JungesChemieForum) wiederentdeckt und nach Freiberg geholt wurde.

Gerade weil zeitgleich auch die historische Forschung zur Zwangsarbeit bei der IG Farben einsetzte, schaut die Geschichtswissenschaft heute kritisch auf die studentische Ausstellung – denn wissenschaftlich sauber war die Arbeit der jungen Engagierten damals nicht immer. Es ist bis heute z.B. unklar, warum bestimmte wirtschaftshistorische Studien nicht zur Ausarbeitung zu Rate gezogen wurden. So tauchen in keiner der Ausgaben des Begleitheftes die Studien von Gottfried Plumpe (1990: Die I.G. Farbenindustrie AG. Wirtschaft, Technik und Politik 1904–1945) und Peter Hayes (1987: Industry and ideology. IG Farben in the Nazi era) auf. Dennoch zeigt die Universitätsbibliothek Freiberg sie wieder, um den Einsatz der Studierenden und Chemie-Fachschaften gegen damalige Widerstände der Universitäten zu würdigen – im Original, samt Kontext und kritischer Einordnung. Die Webseite, die in der Ausstellung auch über QR-Codes erreichbar ist, bietet Kommentare und Hintergründe. Möglich macht das ein interdisziplinäres Seminar zur Wissenschaftskommunikation im Rahmen des Studium generale während des WS 25/26. Hier erarbeiteten Studierende und junge Forschende gemeinsam mit der Direktorin der Universitätsbibliothek Dr. Julia Meyer die Konzeption der heutigen Ausstellung und sorgen für die Umsetzung.

Die Ausstellung in der Universitätsbibliothek Freiberg zur Geschichte der IG Farben beleuchtet deren Entstehung ab Mitte des 19. Jahrhunderts sowie ihrer Rolle vor, während und nach den beiden Weltkriegen bis heute – und zugleich macht sie die Entstehungsgeschichte einer studentischen Wanderausstellung aus den 1990er und 2000er Jahren sichtbar.

Sie zeigt, wie sich Studierende und Fachschaften der Chemie trotz Widerständen an Universitäten für historische Aufarbeitung engagiert haben. Im Zentrum stehen die Verflechtungen von chemischer Industrie, Moral und Politik, aber auch die Frage nach gesellschaftlicher Verantwortung von Akademiker:innen – damals wie heute. 

Die ursprüngliche Wanderausstellung besteht aus 21 großen Plakaten auf Kunststoffbahnen. Diese entstanden um 2005. Vorher, ab ca. 1994, und nachher existierten aber auch andere Versionen der Plakate. Sie haben seitdem als Wanderausstellung an verschiedenen Universitäten halt gemacht. Inhaltlich basieren die Plakate zunächst auf einem Begleitheft (Reader), das erstmals 1994 veröffentlicht wurde. Eine zweite Auflage wurde im Jahr 2007 online veröffentlicht. Sowohl die Plakate als auch das Begleitheft werden von uns im Rahmen der Sonderausstellung thematisiert. Die Plakate werden sowohl als Originale ausgestellt als auch auf dieser Website kommentiert.

In den Räumen der Universitätsbibliothek als Ort der Kommunikation und des Austauschs verbindet die Ausstellung historische Objekte mit studentischen Perspektiven, und lädt zur aktiven Auseinandersetzung ein. 

Ausstellungszeitraum: 16.04. – 22.08.2026

Besonders herzlich laden wir Sie zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung am 16.04.26, 17:00 Uhr, im 2. OG der Universitätsbibliothek ein, unterschiedliche Stimmen rund um die Schwerpunkte der Ausstellung zu hören und miteinander in den Austausch zu treten!

Mehr Informationen über Ausstellungen in der Universitätsbiliothek und direkt zu dieser Ausstellung auf /ig-farben